Call for Papers / Vorschau

Call for Papers

2022/1 Hochschulweiterbildung und Alter(n)

Redaktionsschluss Themenbeiträge:  15.10.2021; Veröffentlichung: Juni 2022 

Innerhalb erwachsenenbildnerischer Auseinandersetzungen existieren unterschiedliche „Alters“-Vorstellungen. Die Kategorie „Alter“ kann u.a. in einer juristischen, biologischen, sozialen oder auch psychischen Dimension unterschiedliche Schwerpunkte für pädagogische Diskurse freisetzen.

Innerhalb der Hochschulweiterbildung verweist vor allem die „Oldenburger Erklärung zur Förderung der wissenschaftlichen Weiterbildung“ auf die Relevanz einer stärkeren Berücksichtigung im Diskurs. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wissenschaftliche Weiterbildung für Ältere (BAG WiWA) fordert darin alle zuständigen Akteure im Bildungs‐, Kultur‐ und Sozialbereich auf: „Engagieren Sie sich mit uns gemeinsam für die Verbreitung, Gestaltung und Weiterentwicklung von Bildungsangeboten, die die Inklusion aller Lebensalter und gesellschaftlichen Gruppen anstreben und für ältere Menschen während und nach der beruflichen bzw. familiären Tätigkeit attraktive Lernchancen bieten“ (BAG WiWA 2013, These 5).

Wissenschaftliche Weiterbildung für Ältere ist ein äußerst vielgestaltiges Feld (Schmidt-Hertha, 2020). Dies betrifft die institutionellen Angebotsstrukturen (Hörr, 2012), die von eigenen Angeboten (dem sogenannten Seniorenstudium) bis hin zur Öffnung von Lehrveranstaltungen (Gasthörerstudium) reichen. Davon zeugen auch historische Rückblicke und kritische Zwischenbilanzen (Dabo-Cruz & Pauls, 2018). Zugleich sind die Studienmotive und das Studierverhalten Älterer vielschichtig (Lechner, Lutz & Wagner, 2020). Lernanlässe können beispielsweise in arbeits-, leib- und lebenszeitbezogenen Alternserfahrungen liegen (Kulmus, 2018).

Kolland, Gallistl & Heng (2020) schauen mit Optimismus auf die Entwicklung des Handlungsfeldes „Bildung im Alter“ und verweisen dabei auf den sich vollziehenden Generationswandel durch die sogenannten Baby-Boomer (geboren zwischen 1952 und 1972). Diese Jahrgangskohorten sind bildungsmäßig und ökonomisch begünstigt und können neue Akzente beim lebenslangen Lernen setzen (ebd, S. 27).

Zugleich wird im Kontext des lebenslangen Lernens seit einigen Jahren besonderes Augenmerk auf das Erreichen nicht-traditioneller Studierender gelegt. Zur Bestimmung dieser Zielgruppe wird u.a. auf ein höheres Lebensalter (meist über 25 Jahre) verwiesen, wobei die Hintergrundfolie der „Normalstudierenden“ in diesem Zusammenhang fragwürdig geworden und das Alterskriterium als Bestimmungsmerkmal nicht hinreichend ist (Isensee & Wolter, 2017, S. 19). Hier zeigt sich vor allem, dass „Alter“ eine relative Kategorie ist (kalendarisches, biologisches, soziales etc.) und sich das Verhältnis von Hochschulweiterbildung und Alter nicht auf das höhere Erwachsenenalter beschränkt. Denkt man Altern als einen biografischen Prozess, stellt sich auch die Frage nach der Bedeutung von Hochschul(weiter)bildung zu unterschiedlichen biografischen Zeiten jeweils neu. Für die wissenschaftliche Weiterbildung lässt sich mehr noch als bei Übergängen innerhalb des ersten Bildungsweges von einem „selbst gewählten“ Übergang zu einer „selbst gewählten“ Zeit ausgehen, für den kein normalbiografisches, an das Lebensalter gebundenes Ablaufschema angenommen werden kann (Demmer & Lobe, 2020, S. 50).

Wie es um das aktuelle Feld von „Hochschulweiterbildung und Alter(n)“ bestellt ist hinsichtlich der kategorialen Gefasstheit, der Institutionalisierung, der Beteiligungen und inhaltlichen Ausgestaltung, der nationalen und internationalen Entwicklungen, der empirischen Datenlage und der Forschungsansätze – dem gehen wir in diesem thematischen Schwerpunktheft nach. Dabei fassen wir das Thema „Alter(n)“ in seiner ganzen Breite.

Für die Ausgabe 2022/1 der ZHWB sind wissenschaftliche Beiträge erwünscht, die sich theoretisch, empirisch und konzeptionell mit Fragen von Hochschulweiterbildung und Alter(n) beschäftigen. Dazu zählen Aspekte wie

  • das Verhältnis von Alter und Lernen
  • Motive, Ziele, Anlässe von Teilnehmenden
  • Bildungsprozesse in der Nacherwerbsphase
  • Biografische Eingebundenheit von Hochschulweiterbildung
  • institutionelle Strukturen, Institutionengeschichte und Angebotsstrukturen
  • Beteiligung/Teilhabe
  • didaktische Grundsätze und Konzepte (wie selbstgesteuertes, forschendes, intergenerationales Lernen etc.)
  • digitale Medien
  • internationale Entwicklungen

 

Literatur

BAG WiWA (2013). Oldenburger Erklärung zur Förderung der wissenschaftlichen Weiterbildung Älterer der BAG WiWA in der DGWF.

Dabo-Cruz, S. & Pauls, K. (2018). 30 Jahre Senior*innenstudium – eine kritische Zwischenbilanz. In R. Schramek, C. Kricheldorff, B. Schmidt-Hertha, & J. Steinfort-Diedenhofen (Hrsg.), Alter(n) – Lernen – Bildung: Ein Handbuch (S. 175-186). Stuttgart: Kohlhammer.

Demmer, C. & Lobe, C. (2020). Biografische Zugänge zu Inklusion in der wissenschaftlichen Weiterbildung. In Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium DGWF e.V., C. Iller, B. Lehmann, S. Vergara & G. Vierzigmann (Hrsg.), Von der Exklusion zur Inklusion. Weiterbildung im Sozialsystem Hochschule (S. 47-62). Bielefeld: wbv.

Hörr, B. (2012). Seniorenstudium und Bildung Älterer. Hessische Blätter für Volksbildung, (2), 152–158.

Isensee, Wolter (2017). Nicht-traditionelle Studierende in internationaler Perspektive. Eine vergleichende Untersuchung. Zeitschrift Hochschule und Weiterbildung ZHWB, (1), 13-23. https://www.hochschule-und-weiterbildung.net/index.php/zhwb/article/view/183/172

Kolland, F., Gallistl, V. & Hengl, L. (2020). Wandel der Bildung im Alter im 21. Jahrhundert – Entwicklung eines Praxisfeldes. Die österreichische Volkshochschule, (2), 21-28.

Kulmus, C. (2018). Altern und Lernen. Arbeit, Leib und Endlichkeit als Bedingungen des Lernens im Alter. Bielefeld: wbv.

Lechner, D., Lutz, K., & Wagner, E. (2020). Wer sind und was wollen ältere Studierende an den Universitäten? Zeitschrift Hochschule und Weiterbildung ZHWB, (2), 34-43. https://www.hochschule-und-weiterbildung.net/index.php/zhwb/article/view/3402

Schmidt-Hertha, B. (2020). Wissenschaftliche Weiterbildung für Ältere. In W. Jütte & M. Rohs (Hrsg.), Handbuch Wissenschaftliche Weiterbildung(S. 369–384). Wiesbaden: Springer VS. http://link.springer.com/10.1007/978-3-658-17643-3_20

 

Redaktioneller Ablauf

15.10.2021

Deadline zur Einreichung von Beiträgen

01.03.2022

Rückmeldung der Review-Ergebnisse

15.04.2022

Deadline zur Überarbeitung der Beiträge

30.05.2022

Freigabe der Druckfahnen

Juni 2022

Veröffentlichung

 

Vorschau auf kommende Hefte


 

2022/2 Disziplinäre und wissenschaftliche Verortungen in der wissenschaftlichen Weiterbildung

(Redaktionsschluss Themenbeiträge 15.04.2022)

2023/1 Regionale und sozialräumliche Kontexte der Hochschulweiterbildung 

(Redaktionsschluss Themenbeiträge 15.10.2022)